Geplante Schließung der Gemäldegalerie Berlin

Das Präsidium des Verbandes der Restauratoren (VDR) äußert größte konservatorische Bedenken hinsichtlich der Pläne der Direktion der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Staatlichen Museen Berlin, die Gemäldegalerie Alter Meister am Kulturforum in Kürze zu schließen, um dort die Bestände der Neuen Nationalgalerie mit der Sammlung Pietzsch zu zeigen.

Gemäldegalerie Kulturforum, Staatl. Museen zu Berlin; Foto: Maximilian Meisse


Das VDR-Präsidium schließt sich dem undefinedoffenen Brief des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker an und begrüßt es, wenn die Mitglieder des VDR diese Petition durch ihre Unterschrift unterstützen:

Das Ziel, die Sammlung der Gemäldegalerie in Zukunft gemeinsam mit der Skulpturensammlung im Bode-Museum und einem noch zu errichtenden Neubau auf der Museumsinsel auszustellen und in den frei werdenden Räumen am Kulturforum die Kunst des 20. Jahrhunderts zu zeigen, ist ein auf Jahrzehnte angelegtes Projekt, bei dem Tausende von Kunstwerken umgelagert werden müssen. Für diese immense Rochade wertvollster und hoch empfindlicher  Kunstwerke bedarf es einer komplexen Planung, die vom Zielpunkt und nicht vom Start aus entwickelt werden muss.

Zuerst sollte der Neubau stehen und eingerichtet werden, um dann die frei gewordenen Flächen für die neue Nutzung umgestalten und einrichten zu können. Nur so kann die Zahl der Transporte minimiert und verhindert werden, dass große Teile der Sammlungsbestände auf Jahre in Depots verschwinden. Jedes Handhaben, Ein- und Auspacken, jeder Transport – und sei er nur innerhalb eines Gebäudes – bedeutet mechanische Belastungen und klimatische Veränderungen für die Werke und schwächt damit deren Substanz. Die Restauratoren der betroffenen Sammlungen werden auf Jahre von der Betreuung dieser Aktivitäten in Anspruch genommen werden und sich kaum mehr den Aufgaben widmen können, die eigentlich ihr Auftrag im Museum sind.

Die jetzt kurzfristig und für einen nicht absehbaren Zeitraum geplante Komprimierung der ausgestellten Werke der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung in den Räumen des Bodemuseums nimmt aus mehreren Gründen ein erhebliches konservatorisches Risiko in Kauf: Alle, auch die höchst fragilen, nicht reisefähigen Werke, die jede Galerie hütet, müssen jetzt bewegt werden. „Häufige Wechsel werden die Einschränkung so gering wie möglich halten“, schreibt der Stiftungspräsident Prof. Dr. Hermann Parzinger (Die Welt, 21.06.2012), ohne das konservatorische Risiko solcher häufigen Wechsel zu bedenken.

Zudem ist zu befürchten, dass nicht ausgestellte Bestände erstklassiger Werke vielfältige Begehrlichkeiten wecken. Wie viele Sammlungen sind schon während solcher Bauphasen durch die Welt getourt?  Welchen Gefahren sie dabei ausgesetzt werden, wird hintangestellt. Allzu verlockend scheint die Aussicht, dass Meisterwerke der Gemäldegalerie Berlin bei Ausstellungen im Ausland Besucherschlangen anziehen. Den Verzicht auf die Präsentation der eigenen Bestände in Berlin mit internationaler Präsenz erkaufen zu wollen, wäre aber mit dem Bewahrungsauftrag der Museen unvereinbar.

Die Einrichtung provisorischer Kunstgutdepots mit den erforderlichen Sicherheits- und Klimabedingungen erfordert umfangreiche Mittel. Gleiches gilt für die zahllosen Kunsttransporte, die bei der heutigen Planung anfallen werden. Eine finanzielle Absicherung des gesamten Projektes scheint mit der Zusicherung der ersten 10 Millionen durch die Bundesregierung keinesfalls gesichert und lässt Notlösungen und Kompromisse voraussehen, die abgesehen von vermeidbaren konservatorischen Belastungen auch verlorene Kosten bedeuten werden.

Aus diesen Gründen sieht der Verband der Restauratoren das politisch-taktische, aber nicht konservatorisch überlegte Vorgehen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hin zu einer Neuordnung der Museumsstandorte in Berlin mit großer Sorge und fordert die Verantwortlichen auf, allem voran die konservatorischen Aspekte noch einmal umfassend und verantwortungsbewusst zu überdenken.