Sprecher der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte

Bernhard Kügler, staatl. gepr. Restaurator, Dipl.-Restaurator (FH) (Vorsitzender)
Staatl. anerkannte Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren für Möbel und Holzobjekte des A.R. Goering Instituts e.V.
Giselastraße 7
80802 München
Tel.: 0 89/38 39 50 25
Fax: 0 89/39 67 81
E-Mail: kuegler(at)restaurierung-goering.de

1963 geboren, Schreinerlehre, restauratorische Praktika, 1988 bis 1991 Ausbildung zum staatl. geprüften Restaurator für Möbel und Holzobjekte an der Fachakademie München, anschließend 6 Jahre Werkstattleiter bei den Restaurierungswerkstätten Gerg in Lenggries; seit Ende 1997 zunächst als Lehrkraft in der Fachakademie tätig, seit 2003 dort Institutsleiter und Direktor. Januar 2005 Diplom an der FH Potsdam.
Schwerpunkt der Fachgruppenarbeit: Vertretung der Interessen der FG-Mitglieder im VDR-Vorstand, Organisation und Information.

Carola Klinzmann Dipl.-Restauratorin
MHK Museumslandschaft Hessen Kassel
Postfach 410 420
34066 Kassel
Tel.: 05 61/3 16 80-844
E-Mail: c.klinzmann(at)museum-kassel.de

Jahrgang 1965, Tischlerausbildung, 3,5 Jahre Praktika in privater Werkstatt und im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mit Fortbildung zum geprüften Restaurator, Studium an der FH Köln mit Diplomabschluss 1997, zweijährige freiberufliche Tätigkeit in Köln und Hamburg, seit 1999 Restauratorin für Möbel und Holzobjekte bei der Museumslandschaft Hessen Kassel
Schwerpunkt der Fachgruppenarbeit: Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Homepage-Betreuung und Information
 
Holger Lüders, Dipl.-Restaurator
Märkischer Kreis
Museen Burg Altena
Holzrestaurierung
Fritz-Thomée-Str. 12
58762 Altena
Tel.: 0 23 52/9 27 59 12
Fax: 0 23 52/ 9 27 59 21
E-Mail: hlueders(at)maerkischer-kreis.de

Jahrgang 1964, Tischlerausbildung, 3 Jahre Praktika in freiberuflichen Restaurierungswerkstätten, Studium an der FH Köln mit Diplomabschluss 1994, von 1994-2003 als leitender Restaurator für Möbel und Holzobjekte bei der Kulturstiftung Dessau Wörlitz tätig, seit März 2003 Restaurator bei den Museen Burg Altena.
Schwerpunkt der Fachgruppenarbeit: Bearbeitung von Aufnahmeanträgen
 
Holger Meyer-Doberenz
Museen der Stadt Dresden
Tel. Büro 03 51/4 88/72 42
Werkstatt 03 51/4 88/72 45
E-Mail: holger.meyer-doberenz(at)museen-dresden.de

Geboren 1960; 1977 Polytechnische Oberschule; 1979 Facharbeiter für Holztechnik (Tischler) Deutsche Werkstätten Hellerau; bis 1981 in der Einzelfertigung in DW-Hellerau tätig; seit 1981 in der Holzrestaurierungswerkstatt am Stadtmuseum Dresden; 1984-1988 Fachschulstudium zum Restaurator für Kulturgut aus Holz (gleichgestellt mit Abschluss Diplom-Restaurator) am Museum für Deutsche Geschichte in Berlin

Vorstellung des Fachgebietes

Möbel gehören in unseren Alltag. Wir gehen tagtäglich mit ihnen um, verwenden und verändern sie. Möbel dienen als Stauraum, zur Herstellung von Bequemlichkeit und als Statussymbole in unseren Wohnungen. „Mobilien“ (lat. mobilis = beweglich) sind nicht nur praktisch, sondern befriedigen auch unsere ästhetischen Bedürfnisse. Möbel repräsentieren ihre Besitzer und ihre Entstehungszeit und sind zugleich Zeugnis technologischer und künstlerischer Fähigkeiten. Für die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten und Zwecke entstanden eine Vielzahl von Möbeltypen. Zweckmäßige Alltagsmöbel wie schlichte Tische, Hocker und Truhen stehen neben reich marketierten Schreibmöbeln, Nähtischchen oder aufwändig gepolsterten Sitzmöbeln.

Holz ist nach wie vor ein wichtiges Konstruktionsmaterial für Möbel. Zur Herstellung von Möbeln und ihrem Dekor werden jedoch zahlreiche weitere Materialien wie Metalle, Rattan, Leder, Stroh, Papier, Pappmaché, Stuck, Pigmente, Stein, Edelsteine, Schildpatt, Perlmutt und Kunststoffe eingesetzt. Zudem zeigen Möbel vielseitige Techniken des Oberflächenschutzes bzw. der -veredelung. So bringen z.B. transparente Oberflächenüberzüge wie Lacke und Wachse die Textur edler Hölzer wie Nussbaummaser- oder Rosenholz zur Geltung; farbige Beizen verstärken oder verändern die ursprüngliche Holzfarbe. Auch können Möbeloberflächen durch mehrschichtige Grundierungen, Farbfassungen und Vergoldungen vollständig überfasst sein.

Neben Möbeln befassen sich Möbel- und Holzrestauratoren mit Holzobjekten wie Skulpturen oder kunsthandwerklichen Objekten sowie mit Objekten der Denkmalpflege wie Fenstern und Türen sowie Wandvertäfelungen. Auch schließt die Tätigkeit des Möbel- und Holzrestaurators hölzerne Elemente an Musikinstrumenten, Automobilen oder auch Gegenstände des Alltags wie Löffel, Schalen und Fässer ein.

Schäden an Möbeln und Holzobjekten

 

Dresdner Scheffel
18 Jh., Rotbuche und Eisenbeschläge, Stadtmuseum Dresden, Zustand vor der Restaurierung

Der Scheffel ist ein Volumenmaß, mit dem Schüttgüter, z.B. Getreide, Salz und Kohle gemessen wurden. Ein Dresdner Scheffel sind 103,829 Liter.

An Möbeln und Holzobjekten können im Laufe der Zeit unterschiedliche Schäden auftreten. Einige typische Schadensphänomene sind Farbveränderungen, Schwundrisse, Verformungen, Materialausbrüche, Verschmutzung oder Insektenfraß. Gebrauchsspuren können jedoch ein Möbel oder Holzobjekt auch bereichern, wenn sie den Erhalt des Objekts nicht unmittelbar bedrohen. Gebrauchsspuren spiegeln die Objektgeschichte wider und machen ein Möbel zu einem unverwechselbaren Einzelstück. Es erfordert vom Restaurator viel Sensibilität einzuschätzen, welche Schäden behoben werden müssen und welche vermeintlichen Schäden/Gebrauchsspuren als Zeichen der Authentizität und des Alters eines Objektes belassen werden können.

Dresdner Scheffel, Rekonstruktionszeichnung

Ursprünglich war der Scheffel einige Zentimeter höher und hatte am oberen Rand vermutlich ein umlaufendes Eisenband.


Typische Arbeiten des Restaurators

Restaurierung besteht nicht aus „Patentlösungen“. Jedes Möbel und Holzobjekt ist als einzigartig anzusehen und zeigt individuelle Schäden und Schadensursachen. Für diese individuellen Schäden müssen spezifische Lösungen gefunden werden. Die Maßnahmen sind abhängig vom Schadensfall aber auch von der zukünftigen Verwendung: die Restaurierung für den Alltagsgebrauch unterscheidet sich von der Restaurierung für eine museale Präsentation.

Dresdner Scheffel,
Zustand nach der Konservierung/Restaurierung


Der Scheffel ist in seinem fragmentarischen Zustand erhalten. Einige gelöste Holzteile wurden befestigt und die Oberfläche gereinigt. Die Eisenbänder sind etwas gerichtet und die Korrosionsprodukte mechanisch reduziert worden.

Fotos: Holger Meyer-Doberenz

Umfangreiches Wissen aus dem Bereich der Naturwissenschaften ermöglicht das Verständnis für das Zusammenspiel physikalischer, chemischer und biologischer Faktoren bei den Alterungs- und Schadensphänomenen historischer Objekte. Ein Restaurator muss diverse Analyseverfahren und deren Anwendungsgebiete kennen. Nur wenn die Schadensursachen erkannt sind, können angemessene Restaurierungskonzepte erstellt und konkrete Maßnahmen durchgeführt werden.

Die Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen müssen bestimmten Kriterien entsprechen: sie sollten nur so weit in die Objektsubstanz eingreifen wie unbedingt notwendig, sie dürfen das Objekt nicht verfälschen oder schädigen, sie müssen möglichst langlebig sein, sie sollten eine erneute Bearbeitung ermöglichen (Forderung nach „Reversibilität“ bzw. „Wiederbearbeitbarkeit“). Prinzipiell müssen alle Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten nachvollziehbar dokumentiert werden.

Holzfestigung, Leimen loser Furniere, Stabilisieren loser Holzverbindungen, Furnier- und Massivholzergänzungen, Sichern brüchiger Farbfassungen, Retuschieren sowie das Reinigen oder Ergänzen transparenter Oberflächenüberzüge sind nur eine Auswahl der Arbeiten, die ein Holzrestaurator beherrschen muss.

Neben den aktiven Eingriffen am Objekt sind Maßnahmen zur Schadensprävention wichtig. Zukünftige Schäden und Restaurierungseingriffe können vermieden werden durch z.B. das Herstellen optimaler klimatischer Bedingungen, Lichtschutz, regelmäßige Pflege und durch Maßgaben zum schonenden Umgang mit den Objekten.

 

Beispiel einer Restaurierung

Lade der Dresdner Strumpfwirker

1748, Eiche mit Intarsien aus Nussbaum, Ahorn (teilweise brandschattiert) und Mooreiche (oder schwarz durchgefärbtes Eichenholz). Profilleisten aus Eiche und ebonisiertem Erlenholz. Schloss und Schlüssel aus geschmiedetem Eisen. Handhaben und Schlüsselschild aus Messing
Stadtmuseum Dresden, Inv.-Nr.: StM 1980/233
42,5 x 69 x 46,5 cm

Zustand vor der Restaurierung

Die Lade befindet sich in einem stärker beschädigten Zustand, der besonders durch das Fehlen vieler Profilleisten gekennzeichnet ist. Die ursprüngliche Wachsoberfläche wurde mit einem Lack (vermutlich Schellack) überstrichen.

Fotos: Holger Meyer-Doberenz
Zustand nach der Restaurierung

Ein Hauptziel der Restaurierung war die Wiederher-stellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes. Dieses war geprägt durch die vielen auskragenden und verkröpften Profile. Glücklicherweise waren von allen Profilen Teile erhalten. So konnten Ergänzungen, dem Original entsprechend, ausgeführt werden. Der nachträglich aufgebrachte Lacküberzug wurde abgenommen und so die ursprüngliche Wachspolitur freigelegt.

 

Zunftlade der Dresdner Feilenhauer


1786, Eiche massiv. Handhaben und Schlüsselschilder aus Messing, graviert und feuervergoldet. Bänder und Schloss aus Eisen, geschmiedet. Schlossstulp aus Messing, graviert.
Stadtmuseum Dresden, Inv.-Nr. StM 1980/231
41 x 64 x 39 cm

Zustand vor der Restaurierung

Bei früheren Überarbeitungen ist die ursprünglich gewachste Ober-fläche mit mehr-eren Anstrichen aus Naturharz- und Nitrocelluloselacken überstrichen worden.

Fotos: Holger Meyer-Doberenz

Inschrift am Zwischenboden der Beilade

Den 10 Abrill 1786 hat
mich gemacht August Gottlob Naacke
Tischler in Dresden

Inschrift an der Außenseite des Beiladeneinsatzes

Außgebessert,
den 1 te September 1848 in Dresden
Georg Wolfram Tischlergeselle
aus Regensburg

Schlossstulp

Der Messingstulp des Schlosses ist graviert und zeigt einen Löwen mit Feile. Daneben sind die Namen der Zunftvorsteher zu lesen.

J.G. Steinmann
Beisitzer Meister

J.M. Gangolff
Ober Meister
1786

Zustand während der Restaurierung

Die bei Überarbeitungen aufgebrachten Lackschichten wurden mit Lösungsmitteln und Skalpellen bis auf die Reste der ursprünglichen Wachsoberfläche abgenommen.

Zustand nach der Restaurierung

Die freigelegte Wachsoberfläche wurde abschließend mit weichen Tüchern und Pinseln aufpoliert.

Weitere Maßnahmen, wie ein erneuter Wachsauftrag, erschienen nicht erforderlich, da sich die Oberfläche harmonisch in das durch Alterung und Abnutzung gekennzeichnete Erscheinungsbild der Zunftlade einordnete.