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Geschäftsstelle Verband der Restauratoren e.V.
Tel. +49 (0)228 9268970
info(at)restauratoren.de
Sprecher der Fachgruppe Ethnografische Objekte - Volks- und Völkerkunde
Andrea Fischer Dipl.-Rest. (Vorsitzende)
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Am Weißenhof 1
70191 Stuttgart
Tel.: 07 11 / 28 44 02 65
E-Mail: a.fischer(at)abk-stuttgart.de
Markus Döll Dipl.-Restaurator
Akademie der Bildenden Künste Wien
Institut für Konservierung - Restaurierung
Objekte, Schwerpunkt Holz
Schillerplatz 3
A - 1010 Wien
Tel. +43 1588 168718
m.doell(at)akbild.ac.at
Johanna Lang Dipl.-Rest.
Borsbergstraße 12
01309 Dresden
Tel.: 03 51 / 210 98 36
E-Mail: johanna.lang(at)gmx.de
Vorstellung des Fachgebietes
Ethnografische bzw. volks- und völkerkundliche Objekte sind Gegenstände der sogenannten materiellen Kultur europäischer und außereuropäischer Völker. Zur materiellen Kultur gehören all jene Gegenstände, die „in einer Kultur gebraucht werden oder mit Bedeutung behaftet sind“ – zum Beispiel Gebrauchsgegenstände des Alltags, Werkzeuge und Maschinen, architektonische Einheiten, zeremonielle und religiöse Gegenstände.
Die wissenschaftliche und konservatorische Bearbeitung ethnografischer Objekte durch Ethnologen und Restauratoren, sowie ihre Ausstellung und Erläuterung zum Beispiel in Museen dient dem interkulturellen Austausch und der Verständnisbildung und ermöglicht der interessierten Öffentlichkeit gezielte Einblicke in die Geschichte, Tradition, Gebräuche, Religion und Lebensweise anderer, wie auch der eigenen Kultur.
| Eine 1928 erworbene chinesische Brautkrone verdeutlicht die typische komplexe Materialvielfalt ethnologischer Objekte. Sie besteht aus Metall, Eisvogelfedern, Baumwolle, Stein, Glas, Koralle, Porzellan, Seide, Papier und Spiegeln. Foto: ID 34031, Staatl. Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum, Martin Franken, 2005 |
Kennzeichnend für ethnografische Objekte ist oft ihre Funktionsgebundenheit und ihre häufig zu beobachtende, materielle Komplexität. Ethnografische Objekte bestehen aus organischen und anorganischen Materialien, so zum Beispiel aus Pflanzenfasern, -stängeln und -blättern, Holz und Rinde, Tierhäuten, -därmen, -haaren und -zähnen, Horn, Knochen, Elfenbein, Muscheln, natürlichen pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen und Pigmenten, Tonerden, Harzen oder Gummen. Ebenso finden sich Metalle, Glas, synthetische Bindemittel und Pigmente sowie Kunststoffe. All diese Materialien unterliegen unterschiedlichsten Veränderungs- und Alterungsprozessen und bedürfen verschiedenster Untersuchungs- und Restaurierungsmethoden und -techniken.
Darüber hinaus besitzen viele Objekte eine religiöse, rituelle oder ideelle Bedeutung und unterliegen oft einer speziellen Vorstellung des Vorbesitzers in Bezug auf ihre Handhabung und Lagerung. Diese Aspekte sollten bei konservatorischen Eingriffen berücksichtigt bzw. nicht verändert werden. Restauratoren ethnografischer Objekte müssen daher, über die verwendeten Materialien und Techniken hinaus, auch über die kulturelle Bedeutung und den Gebrauch eines Objektes informiert sein. Aus diesem Grund stellt der Dialog mit Vertretern der betroffenen Kultur sowie Ethnologen eine wichtige Ergänzung zur Literaturrecherche dar. Kennzeichen originaler Nutzung müssen, soweit möglich, erhalten und dokumentiert werden. Konkret kann dies bei einer Restaurierung bedeuten, dass eine Beschädigung oder Verschmutzung, die durch den originalen Gebrauch hervorgerufen wurde, belassen wird.
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| Die beiden hier gezeigten mikroskopischen Aufnahmen mit Fasern dienen der Faserbestimmung. Anhand charakteristischer Merkmale können pflanzliche von tierischen Fasern unterschieden werden. Mit entsprechenden Referenzaufnahmen kann auch die Gattung und die Art der Probe bestimmt werden. Technologische und materialkundliche Untersuchungen stellen einen wichtigen Teil der Forschung innerhalb der ethonologischen Restaurierung dar. Fotos: Hildegard Heine | |
Aus diesem Grund haben alle Aspekte präventiver Konservierung Priorität vor Eingriffen am Objekt. Dazu gehören neben der Kontrolle der Klimabedingungen (Licht, Luft, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit) in Depot und Schauräumen auch Methoden zur Kontrolle und Bekämpfung von tierischen Schädlingen sowie eine den physikalischen Erfordernissen des einzelnen Objektes angemessene Art der Aufbewahrung und Ausstellung.
Aufwändigere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen einzelner Objekte sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Objekte mit Blick auf Nachhaltigkeit aufbewahrt und ausgestellt werden. Alle Maßnahmen erfolgen unter Berücksichtigung weitgehender Umkehrbarkeit. Ein weiteres Bestreben ist es, das Restaurierungsziel durch möglichst minimalen Eingriff in die Originalsubstanz des Objektes zu erreichen.
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Reversible Klebemethoden sind in jeder Restaurierungsdisziplin von großer Wichtigkeit. Innerhalb der Ethnologischen Restaurierung müssen immer wieder neue Verfahren und Anwendungen erdacht werden, um gebrochene oder geschwächte Materialien zu flexibilisieren und zu konsolidieren.
Im Bild rechts wird die Aufbewahrung eines Objektes zum Zwecke der Magazinierung in einer entsprechend individuell angefertigten Box aus höchst alterungsbeständigen, schadstoffgeprüften inerten Materialien demonstriert.
Fotos: Hildegard Heine
Um Erkenntnisse über den Erhaltungszustand eines Objektes, die verwendeten Materialien und die Herstellungstechnik zu gewinnen, werden neben gängigen Methoden zur Materialanalyse wie Auflicht- und Durchlichtmikroskopie, UV-Licht, Infrarotlicht, Spot-Tests usw. auch komplexere physikalische und chemische Analyseverfahren eingesetzt, wie Röntgenstrahlen, Infrarot-Spektroskopie, Massenspektroskopie, Gaschromotographie u.a.
Aktivitäten und Ziele der Fachgruppe
Die Fachgruppe sieht sich in erster Linie als Forum und Netzwerk für Restauratoren, die sich mit der Konservierung und Restaurierung ethnografischer Objekte befassen. Ihr Ziel ist es, geeignete Restaurierungsansätze und Methoden für in der Ethnologie gebräuchliche Materialien und Objektgruppen zu vermitteln und weiter zu entwickeln. Im Rahmen von Exkursionen, Seminaren und Tagungen sowie durch Publikationen werden der Informationsfluss und -austausch innerhalb der Fachgruppe gefördert und ethische Standpunkte diskutiert. Des weiteren steht die Fachgruppe der interessierten Öffentlichkeit als Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur Restaurierung und Konservierung ethnografischer Objekte zur Verfügung.
Beispiel einer Restaurierung
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Fotos: Markus Döll
Die hier gezeigte mexikanische Wachsplastik (um 1840) wurde 1989/90 im Überseemuseum in Bremen von Restaurator Markus Döll restauriert (oben links der Vorzustand, rechts ein Zwischenzustand und unten der Endzustand).
Im Falle der naturgetreu gearbeiteten Kleinplastiken wurde der fragmentarische Zustand als störend und unpassend für das Gesamtensemble empfunden. Daher wurden einzelne Gliedmaßen (hier ein Arm) ergänzt.
Rekonstruierende Maßnahmen an fehlenden Teilen sind die Ausnahme innerhalb der ethnologischen Restaurierung, dennoch sind sie in bestimmten Zusammenhängen erforderlich und müssen dann mit wissenschaftlicher Gründlichkeit (Evaluation von Vergleichsstücken, Durchführung von Materialanalysen, evtl. Erprobung von Verfahren/Techniken mit Hilfe von Dummies) vorbereitet und mit der entsprechenden Behutsamkeit durchgeführt werden.
